Berufsfelder für Psychologen: Recruiting

Berufe Interviews PsychologenWelche Berufe kann man nach einem Studium der Psychologie eigentlich ergreifen? Wo sind Berufsfelder und wie sehen einzelne Tätigkeiten und Aufgabenbereiche von Psychologen aus? Wir bringen mit Hilfe von Studienabsolventen Licht ins Dunkel.

Im nachfolgenden Interview berichtet Sibila Atanasova, Recruiterin bei der Personalberatung Headmatch, von ihrem Studium, das eine Herzensentscheidung war, und aus dem Berufsleben. Warum Recruiter schnell sein müssen und Verkaufstalent haben sollten, um in diesem abwechslungsreichen Beruf erfolgreich zu sein, schildet sie in diesem Erfahrungsbericht.



Liebe Frau Atanasova, Sie haben Psychologie an den Unis Zürich und Berlin studiert. Warum haben Sie sich für dieses Studienfach entschieden und was hat Sie an dem zukünftigen Berufsfeld gereizt?

Beruf RecruiterIch wollte schon immer Psychologin werden, weil die Psychologie die einzige Wissenschaft ist, bei der die der Mensch und die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Die Entscheidung habe ich intuitiv getroffen. Die Vernunft sagte, ich solle mich für Jura entscheiden und das Herz für Psychologie. Ich wusste, dass der Weg, für den ich mich entscheide, nicht so einfach ist, aber man sollte die Sachen machen, die man liebt und machen will und nicht die Sachen, die von anderen als besser oder richtig bezeichnet werden.

Heute arbeiten Sie als Recruiterin. Was können wir uns unter Ihrem Beruf vorstellen?

Interview Beruf RecruiterIch bin seit einem Jahr Recruiterin in der IT Division von Headmatch in Berlin. Ein Recruiter ist jemand, der Personen in einem bestimmten Bereich, z.B. IT oder Engineering, vermittelt. Man sollte sowohl Expertise in der Personalvermittlung mitbringen, als auch Verständnis für den konkreten technischen Bereich haben.

Zum Alltagsgeschäft bei uns gehört die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften für renommierte Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Man arbeitet als Recruiter sehr eng mit den Consultants im Team zusammen, die für die Kundenakquise und für die neuen Aufträge zuständig sind. Ich habe immer ca. 8-10 Positionen, die ich gleichzeitig betreue. Die Suche fängt mit der Identifikation von passenden Kandidaten an. Danach erfolgt die initiative Ansprache der Kandidaten über verschiedene Social Media Kanäle wie Xing, LinkedIn, Experteer oder über unsere Datenbank. Die Kandidaten, die Interesse an den Jobs haben und wechselwillig sind, werden im nächsten Schritt interviewt. Die vorselektierten Kandidaten präsentieren wir unseren Kunden. Anschließend folgen die Gespräche zwischen unseren Kandidaten und Kunden und es kommt zu einem ‚Placement‘, wenn die Chemie zwischen beiden Seiten stimmt.

Das Tolle an dem Job ist, dass man sich ständig mit interessanten Leuten trifft, die Experten in Ihrem Berufsumfeld sind. Man lernt ganz viel über das Business.
Als Psychologe hat man den riesen Vorteil, dass man Beziehungen aufbauen kann. Das ermöglicht die langfristige Zusammenarbeit mit guten Leuten am Markt, die ein Konzern über das Online-Bewerber Portal nicht bekommt.

Den perfekten Job gibt es nicht. Recruitment ist auch keine Ausnahme. Oft muss man Überstunden machen, wenn man z.B. mit einem sehr guten Kandidaten telefonieren will, der in den normalen Arbeitszeiten zwischen 9.00 und 18 Uhr nicht erreichbar ist. Ein weiterer Nachteil ist, dass man nur die ‚Vermittler‘-Rolle hat, aber die letzte Entscheidung nicht treffen kann, sodass es vorkommen kann, dass Kandidaten abspringen oder Unternehmen sich umentscheiden.

Psychologiestudium an der SRH Riedlingen

Wie und weshalb haben Sie sich für dieses Berufsfeld entschieden?

Ein Praktikum bei einem Berliner StartUp im Bereich IT Recruitment hat mich zu Headmatch gebracht.

Wenn jemand den gleichen Karriereweg wie Sie einschlagen möchte – was würden Sie ihm/ ihr raten?

Interview Beruf RecruiterEin Praktikum während des Studiums oder eine Werkstudentenstelle sind sehr empfehlenswert. Ohne die erste praktische Erfahrung bekommt man heutzutage keinen guten Job.

Als Recruiter bei einer Personalberatung sollte man in erster Linie sehr erfolgsorientiert und strebsam sein, weil die Konkurrenz sehr groß ist. Man muss schnell sein und anpassungsfähig sein, weil andere Recruiter jederzeit dieselben Kandidaten ansprechen. Recruiting hat viel mit Sales zu tun. Verkaufstalent braucht der gute Recruiter auch, um die Positionen im besten Licht zu präsentieren und Kandidaten, die zufrieden mit ihrem aktuellen Arbeitgeber sind, abzuwerben.

Man muss Recruiter mit Herzblut sein, damit der Job Spaß macht und nicht belastend ist.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Ihren Beruf! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg auf dem Berufs- und Lebensweg.

Psychologiestudium an der SRH Riedlingen