Erfahrungsbericht: Bachelor und Master Psychologie an der Universität Potsdam

Weitere Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht Psychologie Uni PotsdamDer Studiengang Psychologie übt auf viele Studieninteressenten eine besondere Anziehungskraft aus. Warum ist das so? Und was sagen diejenigen, die sich mit dem Studium und seinen Inhalten auskennen? Wir haben Studenten um Erfahrungsberichte gebeten und dankenswerterweise haben sich einige für unsere Rubrik „Studenten berichten aus dem Psychologie Studium“ Zeit genommen. Nachfolgend berichtet Marie-Sophie Worseck von ihren Erfahrungen im Studium und gibt Tipps für Studieninteressenten.



Liebe Marie-Sophie, vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Du hast 2012 den Bachelor Psychologie an der Uni Potsdam erfolgreich abgeschlossen und nun, nach einem Jahr im Ausland, den Master begonnen. Wieso sollte es ein Psychologiestudium sein? Was hat dich an dem Studien- und Berufsfeld gereizt?

Ich bin ehrlich gesagt nicht ‘die typische‘ Psychologie-Studentin, die sich schon seit Schulzeiten für Psychologie interessierte oder aufgrund der persönlichen Lebensgeschichte dafür entschied es zu studieren. Ich wusste eigentlich nur schon immer, dass ich sehr gern „etwas mit Kindern machen möchte“. Dabei kamen mir Ideen von der Kindergärtnerin über Hebamme zur Kinderärztin oder vielleicht doch Kinderpsychologin? Im Endeffekt hat mir die (für mich überraschende) Zulassung zu einem Psychologiestudium bei der Entscheidung geholfen. Und seit jeher bin ich sehr dankbar dafür!

Bitte gib uns einen Einblick in dein Studium. Was waren die Studieninhalte und welche Schwerpunkte wurden gesetzt? Was waren typische Lehrinhalte in einem Psychologiestudium?

Ich möchte jeden warnen, der in dieses Studium mit der Einstellung hineingeht, etwas über sich selbst zu erfahren oder am besten noch die Gedanken anderer lesen zu können, denn das ist definitiv nicht der Fall. Psychologie ist meiner Meinung nach viel mehr Naturwissenschaft als Geisteswissenschaft. Viele waren von daher eher enttäuscht vom Studium. Mir jedoch kam es sehr entgegen, da meine anfängliche Skepsis gegenüber dem „Hokuspokus“ dadurch schnell passé war.

Die Studieninhalte im Bachelor sind vorerst sehr grundlegend und manchem zu theoretisch. Man lernt bspw. in Sozialpsychologie etwas über Gruppendynamiken, in Entwicklungspsychologie über die Meilensteine der kognitiven Entwicklung eines Kleinkindes oder in biologischer Psychologie welche Gehirnareale bei verschiedenen Emotionen aktiviert werden. Später werden die Anwendungsfelder Arbeits- und Organisationsspsychologie, Pädagogische Psychologie und klinische Psychologie angeschnitten.

Im Bachelorstudium lernt man definitiv noch nichts über Gesprächsführung oder Details der verschiedenen Therapieformen. In der klinischen Psychologie wird sich hier größenteils zunächst auf die Diagnostik beschränkt. Was man auch beachten sollte ist, dass grundlegende Forschungsmethoden und Statistik immer wieder in jedem der einzelnen Vorlesungen und Seminaren relevant sein werden.

Studieninteressenten fragen sich oft, was man für ein Psychologiestudium an Voraussetzungen und Interessen mitbringen sollte. Was ist deine Empfehlung?

Ich denke, dass es Studieninteressierten entgegen kommen wird, wenn sie (in Schulfächern gesprochen) gute Kenntnisse in Biologie, Mathe und Englisch haben und vorzugsweise natürlich vielleicht auch Psychologie belegt haben. Jedoch möchte ich hier auch die Angst nehmen, denn wirklich alles ist erlernbar! Es hängt von euch ab, wie viel Engagement ihr in die Sache steckt und es gibt nicht umsonst die Vorlesungen und Bücher, die lehren und Kommilitonen, die helfen.

Wer mit diesem Studium in Richtung Psychotherapie gehen möchte, sollte meiner Meinung nach einfühlend und kommunikativ sein, anderen Menschen helfen wollen und nicht zuletzt auch eine kühlen Kopf bewahren können. Ich selbst engagiere mich seit Jahren ehrenamtlich, wo man einige relevante Fähigkeiten erlernen oder unter Beweis stellen konnte. Ich könnte mir auch vorstellen, dass weitere Hobbys wie Theater (Perspektivenübernahme) und Leistungssport (Teamfähigkeit& Leistungsmotivation) gut mit einem Psychologiestudium einhergehen.

Wie beurteilst du deine Studienzeit an der Uni Potsdam? Wie waren die Studienbedingungen und der Kontakt zu den Profs? Welche Schulnote würdest du vergeben?

Ich persönlich bin sehr zufrieden (1-) mit dem Psychologiestudium an der Uni Potsdam. Es gibt keine Vorlesungen, bei denen auf den Treppen gesessen werden muss, es wird auf Klausurterminüberschneidungen geachtet, Folien werden online gestellt und es herrscht ein angenehmes Klima. Einen Nachteil hatte besonders unser Jahrgang, da wir die ersten Bachelor-Studenten waren (Umstellung vom Diplom), denn so waren ein paar Regelungen um einiges unorganisierter und undurchdachter.

Was meiner Meinung nach nur wirklich schief gelaufen ist, ist der Übergang vom Bachelorstudium zum Master. Es werden viel zu wenige Masterstudienplätze angeboten, dafür, dass eigentlich jeder ein Master benötigt, sodass der Notendurchschnitt einfach utopisch hoch wird und lange um ein Studienplatz gebangt werden muss.

Ansonsten muss ich sagen, dass ich besonders jetzt im Master, unsere Professoren und Dozenten sehr schätze. Nur mit vereinzelten Ausnahmen finde ich alle von ihnen sehr kompetent und trotzdem nicht abgehoben, sondern sehr menschlich. So schafft es selbst unser Statistikprofessor, das durchaus oft gefürchtete Fach mit Witz & Charme näher zu bringen. Viele weitere Professoren regen zum eigenständigen, kritischen Denken an und behandeln die Studenten gefühlt auf Augenhöhe.

Nach einem Psychologiestudium kann man ja die unterschiedlichsten Berufsfelder ansteuern. Weißt du schon, in welche Richtung du dich orientieren möchtest?

So richtig schlüssig bin ich mir noch nicht, aber das kommt auch daher, dass man Jahr für Jahr auch immer noch mehr Möglichkeiten entdeckt. Ich bin sehr begeistert von der Forschung, besonders wie sich Kleinkinder im Verlauf der Zeit entwickeln, was sie schon verstehen und wie sie lernen.

Ansonsten möchte ich, für mich persönlich, gern noch mehr wieder den Bogen zum „Menschen helfen“ finden, sodass ich eine anschließende Ausbildung als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin nicht ausschließe. Aber dafür gibt es ja Praktika und nebenberufliche Erfahrungen, die einem bei der Entscheidung helfen werden.

Unsere letzte Frage: Hast du einen Tipp für Studieninteressenten? Wie kriegt man seinen (Wunsch-) Studienplatz und worauf sollte man bei der Studienwahl achten?

Tja wie bekommt man seinen Studienplatz… Da muss ich leider ganz knallhart sagen, es sind traurigerweise ausschließlich die Noten, die darüber entscheiden, sei es beim Bachelor oder Master. Mit einem Studium über den zweiten Bildungsweg habe ich leider keine Erfahrung. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass die Universitäten unter anderem besonders viel Wert auf Noten in den bereits genannten Fächern Biologie, Mathe und Englisch legen. Ich denke, dass zusätzliche Ausbildungen, Praktika, ehrenamtliches Engagement oder ein soziales Jahr eventuell hilfreich sein könnten, jedoch weiß ich nicht, inwiefern das wirklich berücksichtigt wird.

Beim Bachelor habe ich mich für die Uni Potsdam mehr aus persönlichen Gründen entschieden und erst für den Master die bewusste Entscheidung nach der Studienausrichtung getroffen. Die Uni Potsdam ist bekannt für einen klinischen Fokus, der sich auf Kinder und Jugendliche richtet, außerdem steht sie für ihren Exzellenzbereich in den Kognitionswissenschaften.

Abschließend kann ich nur jedem, der sich für ein Psychologiestudium interessiert, ans Herz legen, es zumindest mit einer Bewerbung zu probieren, ich habe am Anfang auch selbst nicht daran geglaubt. Das Studium macht wirklich sehr viel Spaß und ist unheimlich spannend.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Wir wünschen dir alles Gute und vor allem einen erfolgreichen Lebens- und Berufsweg.
Erfahrungsbericht vom

ADS_INT_SYSTEM_FLUID