Erfahrungsbericht: Bachelor und Master Wirtschaftspsychologie an der Ruhr-Uni Bochum

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Erfahrungsbericht Wirtschaftspsychologie Uni BochumStudiengänge im Bereich Psychologie können schon immer eine große Nachfrage seitens der Studieninteressenten vorweisen. Dazu gehören nicht nur das Psychologiestudium als solches, sondern auch thematisch eng verwandte Studiengänge wie zum Beispiel Wirtschaftspsychologie. Aber was kann man sich unter den verschiedenen Studiengängen vorstellen, welche Voraussetzungen braucht man und was wird gelehrt? Wir haben nachgefragt und dankenswerterweise hat sich Julian Decius, Student an der Ruhr-Uni Bochum, Zeit für einen Erfahrungsbericht genommen.



Lieber Julian, vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Du hast dich für den Bachelor Wirtschaftspsychologie mit anschließendem Master an der Uni Bochum entschieden. Wieso sollte es dieser Studiengang
sein? Was hat dich an dem Studien- und Berufsfeld gereizt?

Zum ersten Mal hörte ich von dieser noch wenig bekannten Kombination – Psychologie und Wirtschaft – bei einem „Tag der offenen Tür“ an der Universität Münster. Dort wurde der diagnostische Einsatz von Psychologie in der Personalauswahl bei der Polizei vorgestellt. Vor dieser Veranstaltung hatte ich keine Vorstellung davon, was ich studieren könnte, doch direkt danach wusste ich, dass Wirtschaftspsychologie ein passender Studiengang für mich ist. Dies bestätigte sich dann auch durch meine anschließende Informationssuche im Internet. Gerade die zu erwartende Anwendung von psychologischem Wissen in der Wirtschaft, zum Beispiel zur Verbesserung von Prozessen und Abläufen in Organisationen, fand ich reizvoll.

Für die Ruhr-Uni Bochum entschied ich mich dann, da dort der Studiengang eigenständig und nicht nur als Schwerpunkt in einem allgemeinen Psychologie-Bachelor angeboten wird, was in Deutschland zumindest an Universitäten nahezu einmalig ist.

Bitte gib uns einen Einblick in dein Studium. Was sind die Studieninhalte und welche Schwerpunkte werden gesetzt? Was sind typische Lehrinhalte in einem Wirtschaftspsychologie-Studium?

In Bochum zeichnet sich das Studium der Wirtschaftspsychologie (WiPsy) durch eine empirische Herangehensweise aus. Gerade die sehr naturwissenschaftliche Ausrichtung der gesamten Psychologie-Fakultät bietet die Möglichkeit zu einer breiten Grundlagenausbildung. Wer von Beginn an viele wirtschaftliche Inhalte erwartet, dürfte daher enttäuscht werden. Ganz klar: Es ist ein psychologisches Studienfach; Veranstaltungen wie BWL, VWL, Controlling, Arbeitsrecht etc. werden ergänzend über den Nachbarfachbereich individuell ausgewählt.

In den ersten vier Semestern unterscheidet sich das WiPsy-Studium vom allgemeinen Psychologiestudium lediglich durch diese Wahlfächer und Seminare, in denen die sog. Soft-Skills wie Präsentation, Moderation und Gestaltung von Teamarbeit erlernt werden können. Ansonsten stehen Grundlagenfächer wie Biopsychologie, Kognition, Sozial- und Motivationspsychologie und klinische Psychologie sowie viel Statistik/Methodenlehre an.

Erst in den letzten beiden Bachelor-Semestern und im Master verlagert sich der Schwerpunkt auf die Steuerung von Gruppenprozessen, Arbeitsgestaltung, Eignungsdiagnostik, Training & Coaching und andere wirtschaftsnahe Psychologiebereiche.

Studieninteressenten fragen sich oft, was man für ein Wirtschaftspsychologie-Studium an Voraussetzungen und Interessen mitbringen sollte. Was ist deine Empfehlung?

Für viele stellt bereits der NC eine große Hürde dar, da der Studiengang in Bochum gemessen an den Bewerbern pro Studienplatz zu den begehrtesten der ganzen Uni zählt. Da sich der NC jährlich ändert, kann ich hier lediglich einen Blick auf die Zulassungskriterien auf der Uni-Homepage empfehlen

Da der Großteil der Fachliteratur auf Englisch ist, sollte man diese „Fremdsprache schlechthin“ zumindest lesen und verstehen können. Gerade wegen der naturwissenschaftlichen Ausrichtung in Bochum nimmt Statistik einen wichtigen Platz im Curriculum ein – eine „Mathematik-Phobie“ wäre demnach hinderlich, auch wenn die psychologische Methodenlehre nicht ausschließlich mit Mathe zu tun hat.

Auch ist ein allgemeines Verständnis biologischer Prozesse (z.B. Neurophysiologie, Genetik) hilfreich, da auch im WiPsy-Studium psychologische Grundlagen eine große Rolle spielen. Dadurch lassen sich viele der später zu lernenden Theorien nicht nur abstrakt behandeln, sondern man kann auch den Ursprung dahinter verstehen.

Last but not least sollte man sich für aktuelle wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen interessieren und in diesem Bereich auf dem Laufenden bleiben.

Wie beurteilst du deine Studienzeit an der Uni Bochum? Wie sind die Studienbedingungen und der
Kontakt zu den Profs? Welche Schulnote würdest du vergeben?

Sehr positiv finde ich an den Studienbedingungen, dass aufgrund der geringen Größe der Fakultät für Psychologie immer ein enger Kontakt zwischen den Studierenden und Professoren besteht. Gerade in der Wirtschaftspsychologie, wo pro Jahr zuletzt kaum mehr als 30 Studienplätze angeboten wurden, ist ein sehr gutes Betreuungsverhältnis gewährleistet, die Dozenten kennen in der Regel alle Studierenden beim Namen. Überfüllten Hörsälen bin ich während meines Studiums bisher auch nicht begegnet.

Aufgrund der Einsparungen an vielen deutschen Universitäten mussten jedoch in den letzten Jahren auch in Bochum einige Abstriche beim Service und der Instandhaltung der Gebäude gemacht werden (letzteres betrifft auch die gesamte Uni). Ein Beispiel sind die leider stark verkürzten Öffnungszeiten der fakultätsinternen Psychologie-Bibliothek.

Insgesamt bin ich mit den Entfaltungsmöglichkeiten während des Studiums trotz der systembedingten Bachelor-Master-Verschulung zufrieden und kann das WiPsy-Studium in Bochum durchaus weiterempfehlen – mit der Einschränkung, dass wegen diverser Umstrukturierungen innerhalb der Fakultät noch unklar ist, wie die genaue Zukunft des Studiengangs aussehen wird.

Nach einem Wirtschaftspsychologie-Studium kann man ja die unterschiedlichsten Berufsfelder
ansteuern. Weißt du schon, in welche Richtung du dich orientieren möchtest?

Das stimmt wohl, mit einem WiPsy-Abschluss kann man in vielen verschiedenen Bereichen und Berufsfeldern arbeiten. Gerade große Unternehmen nehmen gern gut ausgebildete Wirtschaftspsychologen, auch wenn die Stellen oftmals nicht explizit für sie ausgeschrieben sind. Ob in der Personalauswahl, Personalentwicklung, im Arbeitsschutz, im Marketing oder in Unternehmensberatungen – um nur einige Felder zu nennen – Möglichkeiten gibt es viele.

Ich persönlich könnte mir auch gut vorstellen, nach meinem Masterabschluss eine Karriere in der wirtschaftspsychologischen Forschung zu verfolgen.

Unsere letzte Frage: Hast du Tipps für Studieninteressenten? Wie kriegt man seinen (Wunsch-) Studienplatz, worauf sollte man bei der Studienwahl achten und wer ist überhaupt für ein Wirtschaftspsychologie-Studium geeignet?

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: In Bochum ist das WiPsy-Studium sehr wissenschaftlich geprägt, was jedoch nicht heißt, dass praktische Inhalte zu kurz kommen. Wer allerdings lieber ein wirtschaftliches Studium mit einigen psychologischen Garnierungen haben möchte, wird hier nicht glücklich werden.

Grundsätzlich sollte man sich natürlich überlegen, ob ein Universitätsstudium zu einem passt oder eine Fachhochschule die persönlich attraktivere Alternative darstellt.

Mein Tipp: Gut informieren und bei Zweifeln eventuell beim Studienberater oder Fachschaftsrat anfragen, auch das Online-Beratungstool „Studifinder“ des Landes NRW kann helfen. Außerdem am besten der Universität im normalen Lehrbetrieb einen Besuch abstatten und die Atmosphäre in sich aufnehmen, dann können auch oder gerade vermeintliche „Bauchentscheidungen“ das richtige Mittel der Wahl sein.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Wir wünschen dir alles Gute und vor allem einen erfolgreichen Lebens- und Berufsweg.
Erfahrungsbericht vom

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