Erfahrungsbericht: Bachelor Psychologie an der Universität Mannheim

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Erfahrungsbericht Uni MannheimDer Studiengang Psychologie übt auf viele Studieninteressenten eine besondere Anziehungskraft aus. Warum ist das so? Und was sagen diejenigen, die sich mit dem Studium und seinen Inhalten auskennen? Wir haben Studenten um Erfahrungsberichte gebeten und dankenswerterweise haben sich einige für unsere Rubrik „Studenten berichten aus dem Psychologie Studium“ Zeit genommen. Nachfolgend berichtet Sophia Adam von ihren Erfahrungen im Studium und gibt Tipps für Studieninteressenten.



Liebe Sophia, vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Du hast dich für den Bachelor Psychologie an der Uni Mannheim entschieden. Wieso sollte es ein Psychologiestudium sein? Was hat dich an dem Studien- und Berufsfeld gereizt?



Ich kam über einen Umweg zur Psychologie: Nach dem Abitur habe ich zunächst zwei Semester Sozialwissenschaften studiert. Ich merkte jedoch recht schnell, dass mich die Psyche des Individuums mehr interessiert als das Erforschen von Gesellschaften. Außerdem habe ich einige ältere Freundinnen, die auch Psychologie studierten und mir immer wieder spannende Dinge aus ihrem Studium erzählten. Besonders attraktiv fand ich das breite Spektrum des Lehrinhalts, da medizinische, biologische, philosophische, mathematische und wirtschaftliche Themen hier vereint werden. So fiel mir die Entscheidung zum Wechsel nicht sonderlich schwer.


Wichtig waren mir natürlich auch die Zukunftsaussichten. Diese schienen mir recht gut, denn mit einem abgeschlossenen Psychologiestudium ist man in vielen Bereichen gerne gesehen: in der Personalauswahl- und Entwicklung, im klinischen Bereich, in der Forschung, im pädagogischen Bereich etc.


Kurzum: Ein spannendes Studium, durch das man sich nicht einfach nur durchquält und an dessen Ende auch noch Aussicht auf einen sicheren, interessanten Job winkt.

Bitte gib uns einen Einblick in dein Studium. Was sind die Studieninhalte und welche Schwerpunkte werden gesetzt? Was sind typische Lehrinhalte in einem Psychologiestudium?

Die Uni Mannheim ist insgesamt sehr methodenorientiert und im Vergleich zu anderes Unis haben wir recht viel Statistik und Methodenlehre. Man führt eigene Studien durch, erlernt die Datenanalyse mit Statistiksoftware, die Erstellung von Fragebögen und wissenschaftliches Schreiben

Vor allem in den ersten drei Semestern musste ich mich da definitiv durchbeißen. Aber man lernt diese Ausbildung zu schätzen, da sie meiner Meinung nach sehr fortschrittlich und wissenschaftlich fundiert ist. 
Ansonsten ist das Studium sehr breit gefächert und man lernt in den verschiedensten Bereichen wahnsinnig viel. In der allgemeinen Psychologie geht es zunächst darum, was allen Menschen gemein ist: Wahrnehmung, Lernen, Motivation und Emotionen, sowie die Sprache und das Denken. Weitere Fächer sind Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie, biologische und differentielle Psychologie

In Mannheim kann man zudem noch aus drei von vier Modulen auswählen und eigene Schwerpunkte setzen: zur Wahl stehen Klinische Psychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie und Pädagogische Psychologie, sowie Markt- und Werbepsychologie. 
Außerdem ist die Wahl eines Nebenfachs im fünften Semester Pflicht. Hier habe ich mich für Psychiatrie entschieden, eine Vorlesung, die wir zusammen mit Medizinstudenten besuchen. Man lernt so auch die medizinische Sichtweise auf psychische Störungen kennen und kann mit „echten“ Patienten sprechen. Das zählt zu meinen Lieblingsveranstaltungen, da es viel näher an der Praxis ist, als die Fallbeispiele aus dem Lehrbuch.


Studieninteressenten fragen sich oft, was man für ein Psychologiestudium an Voraussetzungen und Interessen mitbringen sollte. Was ist deine Empfehlung?

Da die Fachliteratur größtenteils auf Englisch ist, sind gute sprachliche Fähigkeiten auf jeden Fall von Vorteil. An einigen Unis kann man auch Kurse auf Englisch besuchen. 
Außerdem sollte man ein gutes mathematisches Grundverständnis mitbringen, das braucht man für die Statistik. Wenn man in der Schule ein Interesse an Naturwissenschaften wie Biologie oder Chemie hatte, schadet das auch nicht, da dies z.B. in biologischer Psychologie vertieft wird. 


Wie in jedem Studium gehört natürlich auch eine gute Portion Fleiß dazu, gerade da beim Bachelor jede Note in das Endzeugnis einfließt und die Prüfungen meist schon sehr lernintensiv sind. Man sollte außerdem wissen, dass das Studium in den Ferien nicht auf Eis liegt, denn es gibt meistens etwas zu tun: Lernen für Prüfungen, Hausarbeiten schreiben oder Praktika absolvieren. In Mannheim muss man 12 Wochen Pflichtpraktikum absolvieren, dafür eignen sich die Semesterferien natürlich gut.

Davon abgesehen ist es natürlich wichtig, das man in jeglicher Hinsicht Interesse an der menschlichen Psyche hat, neugierig und wissbegierig bleibt.

Wie beurteilst du deine Studienzeit an der Uni Mannheim? Wie sind die Studienbedingungen und der Kontakt zu den Profs? Welche Schulnote würdest du vergeben?

Insgesamt bin ich mit der Lehre an der Uni Mannheim sehr zufrieden, die Ausbildung ist wie gesagt sehr breit gefächert und steht auf einem soliden, wissenschaftlichen Fundament.

Was zu bemängeln ist, ist die begrenzte Wahlfreiheit, die jedoch größtenteils auf die Umstellung auf das Bachelor- Mastersystem zurückzuführen ist. Wir sind ca. 100 Studierende pro Semester, da ist der Kontakt zu den Profs naturgemäß nicht sehr intensiv. Wenn man sich aber für ein Gebiet besonders interessiert oder nach der Vorlesung noch eine Frage hat, haben die Professoren ein offenes Ohr.
 Wenn man in höheren Semestern die Seminare mit kleiner Teilnehmerzahl besucht, wird der Kontakt zu den Lehrenden dann auch enger. 


Unsere Veranstaltungen finden zum größten Teil im Barockschloss, dem Sitz der Mannheimer Uni, statt. Dies sorgt natürlich für eine schöne Studienatmosphäre. Unsere Bibliotheken sind super sortiert und durch Online-Portale gemanaged. Das erleichtert die Literatursuche sehr und man findet meist das, was man braucht.


Mannheim zählt in Deutschland zu den besten Universitäten für das Fach Psychologie – ich kann daher auch wirklich nicht viel bemängeln. Ich würde Mannheim eine 1-2 geben, weil die Lehre in einigen Bereichen doch noch ausbaufähig ist und der Methodenbereich wie gesagt viel Platz im Studium einnimmt. Für meinen Geschmack ein wenig zu viel.

Nach einem Psychologiestudium kann man ja die unterschiedlichsten Berufsfelder ansteuern. Weißt du schon, in welche Richtung du dich orientieren möchtest?

100% ig sicher bin ich mir noch nicht. Jedoch tendiere ich doch sehr in Richtung der klinischen Psychologie und würde gerne einmal als Psychotherapeutin arbeiten. Ob ich nach dem Master gleich die Therapeutenausbildung machen werde, weiß ich jedoch noch nicht, das ist ja auch eine große Entscheidung. die noch einmal eine ordentliche Summe Geld und einiges an Zeit in Anspruch nimmt.

Ich könnte mir auch vorstellen zunächst ein paar Jahre in der Wirtschaft zu arbeiten und anschließend die Ausbildung zu machen. Ich bin da noch offen und werde mich im Laufe des Masterstudiums intensiver mit der Frage des „danach“ beschäftigen.

Unsere letzte Frage: Hast du einen Tipp für Studieninteressenten? Wie kriegt man seinen (Wunsch-) Studienplatz, worauf sollte man bei der Studienwahl achten und wer ist überhaupt für ein Psychologiestudium geeignet?

Ich würde jedem, der sich für ein Psychologiestudium interessiert raten, Studenten nach Erfahrungsberichten zu fragen und sich auch einfach mal mit in eine Vorlesung zu setzen. 
Dann sollte man sich im Voraus über das Profil der Universität zu informieren: Welche Wahlmöglichkeiten habe ich? Kann ich ein Beifach belegen? Wie sind die Prüfungsordnungen? 
Da gibt es innerhalb Deutschlands doch sehr große Unterschiede, die im Endeffekt großen Einfluss auf die Bachelornote haben.

Da der NC an den meisten Unis etwa zwischen 1,0 und 1,6 liegt, sollte man sich jedoch nicht zu sehr auf eine bestimmte Universität fixieren und sich an genügend Hochschulen bewerben, so hat man im Idealfall die Wahl zwischen ein paar Universitäten. 


Außerdem muss einem bewusst sein, dass man sich nach dem Bachelor noch einmal neu auf einen Masterplatz bewerben muss und die Plätze teilweise begrenzt sind. Es kann daher sein, dass man seine Wunschuni für den Master nicht direkt bekommt. 


Ich würde sagen, dass im Prinzip jeder geeignet ist, der sich ernsthaft für die Psychologie interessiert. Sprich, dem Hinterfragen von Verhaltensweisen und dem Verstehen von Zusammenhängen im zwischenmenschlichen Kontext. Man sollte sich dabei jedoch von Klischees verabschieden und auf keinen Fall den Inhalt einer Therapeutenausbildung mit dem eines Studiums verwechseln. Beispielsweise werden Freud und die Psychoanalyse (bei uns zumindest) nur sehr kurz behandelt, dafür stehen empirische Forschung und Wissenschaftlichkeit im Vordergrund.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Wir wünschen dir alles Gute und vor allem einen erfolgreichen Lebens- und Berufsweg.
Erfahrungsbericht vom

Psychologiestudium an der SRH Riedlingen