Erfahrungsbericht: Bachelor und Master Psychologie an der Universität Göttingen

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Erfahrungsbericht Uni GöttingenDer Studiengang Psychologie übt auf viele Studieninteressenten eine besondere Anziehungskraft aus. Warum ist das so? Und was sagen diejenigen, die sich mit dem Studium und seinen Inhalten auskennen? Wir haben Studenten um Erfahrungsberichte gebeten und dankenswerterweise haben sich einige für unsere Rubrik „Studenten berichten aus dem Psychologie Studium“ Zeit genommen. Nachfolgend berichtet Charlene Ketturat von ihren Erfahrungen im Studium und gibt Tipps für Studieninteressenten.



Liebe Charlene, vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Du hast dich für den Bachelor und Master Psychologie an der Uni Göttingen entschlossen. Wieso sollte es ein Psychologiestudium sein? Was hat dich an dem Studien- und Berufsfeld gereizt?

Nun, das Erste, was man als Psychologie-Student lernt ist, dass Psychologie die Erforschung des Verhaltens und Erlebens der Menschen ist und genau das hat mich schon immer interessiert: Warum nehmen wir uns Sachen ganz überoptimistisch vor und können sie doch nicht einhalten? Warum verharren Menschen in Projekten, die kostentechnisch eskalieren, z.B. die Elbphilharmonie oder der Flughafen Berlin-Brandenburg. Kurz gesagt: Warum sind wir so, wie wir sind und warum sind manche anders?

Am Berufsfeld gefiel mir gerade die breite Vielfalt: Lehre & Forschung, Therapieausbildung, Training, Wissenschaftsjournalismus, oder auch im Personalwesen. Es gibt wenige Bereiche, in denen wir als Psychologen nicht unsere Nische finden können.

Bitte gib uns einen Einblick in dein Studium. Was sind die Studieninhalte und welche Schwerpunkte werden gesetzt? Was sind typische Lehrinhalte in einem Psychologiestudium?

Ich kann hier natürlich erst einmal nur für das Studium in Göttingen sprechen, aber die Studieninhalte sind nahezu genauso breit aufgestellt wie die Arbeitsfelder.

Zunächst einmal wird man an das Fach herangeführt:

  • Welche Fachbereiche gibt es?
  • Mit welchen Methoden arbeiten wir?

Historische Abrisse kommen natürlich auch nicht zu kurz.

Dann lernt man viele spannende Sachen über die menschliche Wahrnehmung und zwar sowohl auf theoretischer, als auch biologischer Ebene kennen. Zu wissen, wie Dinge wie Farbwahrnehmung oder Sucht im Gehirn funktionieren, fand ich immer am Spannendsten. Man lernt natürlich auch psychische Störungen, wie sie entstehen und persistieren, ihre Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und ihr Umfeld und auch Methoden kennen, wie man beiden Gruppen helfen kann.

An dieser Stelle sei aber gesagt, dass das Studium nur den Grundstock für die sehr viel ausführlichere Therapieausbildung legt. Wer sich für pädagogische Inhalte interessiert, wird Freude an der Entwicklungs- und Pädagogischen Psychologie haben. Hier lernt man, dass all unsere Fähigkeiten, die wir tagtäglich benutzen, wie z.B. Perspektivübernahme, nicht angeboren sind, sondern Produkt langer Entwicklungsprozesse sind oder auch, wie Unterricht aus psychologischer Sicht sein sollte, damit der Lernerfolg maximal wird.

Wenn man sich wie ich auch in Richtung Wirtschafts- und Sozialpsychologie orientiert, erfährt man viele Sachen darüber, wie man Personalauswahl und -entwicklung betreiben kann und wie verschiedene Dynamiken in Gruppen entstehen. All den inhaltlichen Fächern zugrunde liegt natürlich die vielfach gefürchtete Statistik, die es uns ermöglicht, Methoden und Befunde korrekt zu bewerten. Ja, Statistik kann zur Nagelprobe werden, aber man sollte sich angstfrei darauf einlassen, denn ohne sie funktioniert die moderne Psychologie einfach nicht!

Insgesamt kann man sagen, dass man sehr viel über des Leben, die Menschen und Gruppen um einen herum lernt. Man versteht manchmal etwas besser, warum Konflikte im eigenen Umfeld entstehen.

Studieninteressenten fragen sich oft, was man für ein Psychologiestudium an Voraussetzungen und Interessen mitbringen sollte. Was ist deine Empfehlung?

Wenn ich sage, dass man sich für Menschen interessieren muss, klingt das schon fast banal – ist aber so. Und neugierig sollte man sein: Dafür wie wir Menschen denken oder warum wir tun, was wir tun. Spaß am Reflektieren über menschliches Verhalten gehört sicher dazu. Man sollte keinesfalls mit der Erwartung an das Studium herangehen, dass es einen „therapiert“, so wie man es den Psychologie-Studierenden gerne mal unterstellt. Man versteht zwar vielleicht besser, wie man zu der Spinnenphobie gekommen ist, aber mehr auch nicht.

Was die Schulfächer betrifft, so braucht man wohl am ehesten ein gutes Englisch (nahezu alle Forschungsliteratur ist auf Englisch!). Biologie ist von Vorteil, wenn es um die neuronalen Grundlagen unseres Verhaltens geht und natürlich Mathe (da vor allem aber Stochastik als Grundlage für Statistik).

Wie beurteilst du deine Studienzeit an der Uni Göttingen? Wie sind die Studienbedingungen und der Kontakt zu den Profs? Welche Schulnote würdest du vergeben?

Ich denke gerne an meine Studienzeit in Göttingen zurück. Natürlich weiß ich als Psychologin, dass wir dazu neigen, die Vergangenheit oft rosiger zu sehen, als sie es tatsächlich war, aber insgesamt habe ich mich am Göttinger Institut sehr wohl gefühlt. Es ist eher klein, was die Betreuung natürlich persönlicher machte.

Viele in meinem Semester, so auch ich, haben als studentische Hilfskräfte direkt an der Forschung mitgearbeitet. Das bringt natürlich besonderen Spaß, wenn man das im Studium Gelernte gleich praktisch anwenden kann und sieht, wie Forschung funktioniert. Die Studienbedingungen in Göttingen allgemein sind natürlich ganz gut. Man kann in zahlreiche andere Fachbereiche reinschnuppern im Rahmen der Nebenfachmodule. Man kann viele Schlüsselkompetenz- und Sprachkurse machen. Des Weiteren gibt es zahlreiche Kliniken und Praxen in Göttingen, was die praktische Anbindung erleichtert.

Nach einem Psychologiestudium kann man ja die unterschiedlichsten Berufsfelder ansteuern. Weißt du schon, in welche Richtung du dich orientieren möchtest?

Ja und nein. Derzeit promoviere ich an der Uni Hildesheim im Bereich Sozialpsychologie. Das macht mir riesigen Spaß, aber ich weiß nicht, ob ich dauerhaft in der Forschung bleiben möchte, da die Rahmenbedingungen doch eher familienunfreundlich sind – leider. Was ich danach mache, ist derzeit noch offen. Ich könnte mir vorstellen eine Trainerausbildung zu machen und in die Personalentwicklung zu gehen. Ich habe für mich aber auch noch nicht ganz ausgeschlossen, dass ich doch noch irgendwann die Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin mache.

Unsere letzte Frage: Hast du einen Tipp für Studieninteressenten? Wie kriegt man seinen (Wunsch-) Studienplatz, worauf sollte man bei der Studienwahl achten und wer ist überhaupt für ein Psychologiestudium geeignet?

Von Vorteil ist natürlich, wenn man schon frühzeitig weiß, dass man Psychologie studieren möchte und dann in der Schule fleißig lernt, da der Numerus Clausus ja doch recht hoch sein kann. Aber Noten sind weiß Gott nicht alles im Studium und nicht der einzige Prädiktor für ein erfolgreiches Studium.

Eine der wichtigsten Kompetenzen ist die Selbstorganisation und die braucht man für jedes Fach. Wenn man nicht das beste Abitur hat, sollte man bei der Studienortwahl auf jeden Fall flexibel sein. Ich kam auch eher unfreiwillig nach Göttingen und habe es nie bereut!

In Zeiten von Bologna sollte man aber auch bei der Bewerbung darauf achten, welche fachlichen Schwerpunkte an den einzelnen Instituten/ Universitäten vorhanden sind. Das Studium in Göttingen z.B. ist sehr naturwissenschaftlich-biologisch ausgerichtet, was zum einen an der Tradition des Fachs der Uni und zum anderen an der Angliederung an die Biologische Fakultät liegt. Auf so etwas kann man natürlich auch achten.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Wir wünschen dir alles Gute und vor allem einen erfolgreichen Lebens- und Berufsweg.
Erfahrungsbericht vom

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