Differentielle- bzw. Persönlichkeitspsychologie

Definition

Die Differentielle bzw. Persönlichkeitspsychologie als Teildisziplin der Psychologie beschreibt und erklärt Unterschiede (Differenzen) zwischen Personen im Hinblick auf verschiedene psychische Funktionen und Fähigkeiten.

Sie versucht Fragen danach zu beantworten, woher Unterschiede zwischen Personen kommen, warum sich Menschen voneinander unterscheiden und welchen Einfluss Umwelt und Anlage in der Ausbildung solcher Differenzen haben.

Die Differentielle Psychologie geht jedoch über die reine Beschreibung von Unterschieden hinaus: Sie versucht im nächsten Schritt diese Ergebnisse zu einer Persönlichkeitstheorie zu verbinden und auf Grundlage dieser Theorien Strategien und Methoden der Diagnostik zu entwickeln. Sie bildet ein Grundlagenfach, deren Ergebnisse in den Anwendungsfächern beispielsweise im klinischen und pädagogischen Kontext zur praktischen Anwendung kommen.

Die Anfänge der Differentiellen bzw. Persönlichkeitspsychologie befassten sich mit der Beschreibung von Unterschieden in den Reaktionszeiten und Sinnesleistungen.


Psychologiestudium an der SRH Riedlingen

Untersuchungsgegenstand der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie

Ein wichtiger Schwerpunkt der Differentiellen Psychologie ist die Intelligenzforschung, die von Beginn an zu den Hauptthematiken dieser Teildisziplin gehörte. Alfred Binet entwickelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten Intelligenztests, um die Leistungsfähigkeit von Schülern zu messen. William Stern und Raymond B. Cattell waren weitere Pioniere der Persönlichkeitspsychologie und beschrieben die ersten umfassenden Persönlichkeitstheorien.

Neben der Intelligenz steht die Persönlichkeit als Untersuchungsgegenstand der Persönlichkeitspsychologie an erster Stelle. Da es bisher keine allgemeingültige und allumfassende Theorie der Persönlichkeit gibt, die einheitlich von den Theoretikern unterstützt wird, kann man die Forschungsgegenstände der Persönlichkeitspsychologie nur grob in unterschiedlichen Funktionen beschreiben. So werden in der Differentiellen Psychologie neben Intelligenz auch Sozialverhalten, Temperamentseigenschaften, Einstellungen, Interessen und körperliche Merkmale beschrieben. Die Unterschiede in diesen Funktionen lassen sich nach Alter, Geschlecht oder soziokulturellem Kontext ordnen und beschreiben.

Persönlichkeitstheorien weisen eine hohe Bandbreite von Disziplinen und Menschenbildern auf: Sigmund Freud entwickelte zum Beispiel keine feststehende Theorie, beschrieb jedoch mit seinem Instanzenmodell seine Vorstellung von der menschlichen Persönlichkeit und beschäftigte sich in hohem Maße mit kindlichen Erfahrungen und Krisen, die andere Persönlichkeitstheoretiker beeinflusste.

Eines der bekanntesten Persönlichkeitsmodelle ist das Modell der Big Five: Dieser verfolgte den lexikalischen Ansatz, dem die Annahme zugrunde liegt, dass sich Persönlichkeitsmerkmale in der Sprache niederschlagen. Die Vertreter des Big Five Ansatzes stellten mit Hilfe einer Faktorenanalyse über 18.000 Begriffe fünf Persönlichkeitsdimensionen heraus, die über die Lebensspanne stabil und in unterschiedlichen Kulturen beobachtbar sind. Diese fünf Persönlichkeitsdimensionen sind Extraversion, Neurotizismus, Offenheit für neue Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit.

Der Big Five Ansatz ist in den vergangenen Jahrzehnten oft repliziert worden und somit in der Forschungslandschaft anerkannt. Er kommt auch in anderen psychologischen Teildisziplinen zum Einsatz.

Forschung

Die Forschungsmethoden der Persönlichkeitspsychologen sind vielfältig. So gehören Experimente wie die Testung von Reaktionszeiten oder auch Fragebögen mit Selbst- und Fremdeinschätzungen zum Repertoire. Die Entwicklung von Tests, die die zuvor postulierten Theorien abbilden, ist eine der Hauptaufgaben von Differentiellen Psychologen. Um die wissenschaftliche Qualität dieser Tests sicherzustellen, werden diese nach bestimmten Gütekriterien bewertet. Darunter fallen die Frage nach der inhaltlichen Gültigkeit (Validität), der formalen Zuverlässigkeit (Reliabilität), der zeitlichen Konstanz (Stabilität) und der inneren Konsistenz (Zusammenhang zwischen den Einzelmerkmalen, die zu einer Eigenschaft zusammengefasst werden sollen). Zudem stellt sich die Frage nach Generalisierbarkeit der Ergebnisse auf andere Stichprobe, Zeitpunkte und Orte.

Empfiehl uns weiter:


Psychologiestudium an der SRH Riedlingen