Psychotherapie Studium

Du willst Psychotherapeut werden? Dann musst du fünf Jahre studieren und anschließend eine dreijährige Ausbildung absolvieren. Aber ab Herbst 2020 ist damit Schluss: Die Ausbildung zum Psychotherapeuten soll reformiert und zum reinen Psychotherapie Studium umgewandelt werden. Wir stellen dir in diesem Artikel beides vor: den bisherigen üblichen Ausbildungsweg zum Psychotherapeuten und wie dieser zukünftig aussehen soll.

Psychotherapie studieren: Die wichtigsten Infos

Dein Plan ist es, Psychotherapeut zu werden und du willst wissen, wie du das werden kannst? Mit einem Psychotherapie Studium und einer anschließenden drei- bis fünfjährigen Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten.

Genauer gesagt sieht das Psychotherapeutengesetz vor, dass du, um Psychotherapeut werden zu können, ein Psychologie Studium mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie oder direkt einem Klinische Psychologie und Psychotherapie Studium belegen musst. Außerdem reicht ein Bachelorabschluss allein nicht aus, sondern du musst den Master mit dem Schwerpunkt Klinischer Psychologie und Psychoptherapie abgeschlossen haben.

Studieninhalte

Im Studium Klinische Psychologie und Psychotherapie beschäftigst du dich psychischen Erkrankungen und Auffälligkeiten, wie diese entstehen und welchen Einfluss körperliche und psychosoziale Aspekte darauf haben. Du lernst im Studium verschiedene Krankheiten kennen, diese zu diagnostizieren und zu therapieren. Das Studium ist eine Mischung aus theoretischen und praktischen Einheiten. Es gibt genug theoretische Inhalte, die du erst einmal lernen musst. Dazu gehören zum Beispiel Ethik und Recht, Statistik, Psychologie und Psychotherapie, Klinische und kognitive Neuropsychologie und Public Health.

Aber genauso wichtig sind die praktischen Phasen, in denen du und deine Kommilitonen Praktika absolviert, Gruppendiskussionen führt, Fallbeispiele durcharbeitet und Rollenspiele macht.

Studienangebot im Bachelor und Master

Dein Weg zum Psychotherapeuten beginnt mit einem Bachelorstudium. Hier solltest du ein Psychologie Studium belegen, das den Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie anbietet. Achte darauf, wenn du dich für eine bestimmte Hochschule entscheidest. Reine Klinische Psychologie und Psychotherapie Studiengänge gibt es nicht als Bachelorstudium.

Anders sieht es aus, wenn es dann an den Master geht. Hier kannst du wählen zwischen Psychologie Studiengängen, die einen Schwerpunkt auf genannter Klinischer Psychologie legen oder dann auch tatsächlich reine Klinische Psychologie und Psychotherapie Studiengänge belegen.

Aber Achtung: Klinische Psychologie und Psychotherapie wird sowohl als Vollzeitstudium als auch als Fernstudium angeboten. Entscheidest du dich für ein Fernstudium Klinische Psychologie und Psychotherapie, wird dieses NICHT anerkannt für deine postgraduale Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten.

Voraussetzungen

Für ein Bachelorstudium solltest du folgende Voraussetzungen mitbringen:

  • Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder
  • Fachgebundene Hochschule bzw. Fachhochschulreife (Fachabitur) oder
  • einen vergleichbaren Schulabschluss oder
  • eine bestimmte berufliche Qualifikation (Studium ohne Abitur)
  • ggf. Motivationsschreiben

Für ein Masterstudium in Klinischer Psychologie benötigst du:

  • Sehr guter Bachelorabschluss bzw. nicht schlechter als 2,5 in einem psychologischen oder gesundheitswissenschaftlichen Studiengang
  • Englischkenntnisse Niveau B2
  • teilweise gibt es ein zweistufiges Auswahlverfahren -> schriftliche Bewerbung (mit Motivationsschreiben), persönliches Auswahlgespräch
  • Wenn dir bestimmte Kenntnisse fehlen, musst du diese teilweise in einem fachspezifischen Studierfähigkeitstest nachweisen

Passende Hochschulen für Klinische Psychologie und Psychotherapie

Warum gibt es eine Reform?

Den bisherigen Ausbildungsweg zum Psychotherapeuten hast du nun kennengelernt. Soweit so gut, diesen Weg würdest du auch gehen. Wieso gibt es aber eine Reform? Weil der alte Ausbildungsweg viele Nachteile hat, von denen du bisher vielleicht noch gar nichts weißt. Und somit sind die geplanten Änderungen für zukünftige Generationen an Psychotherapeuten ein großer Vorteil.

Zum einen ist das Gesetz veraltet und in Zeiten der Akademisierung vieler Berufe längst überholungsbedürftig. Die bisherigen Richtlinien halten sich an das Psychotherapeutengesetz von 1998.

Zum anderen ist der Ausbildungsweg lang und zum Teil uneinheitlich, weil immer wieder die Frage danach aufkommt, welche Leistungen aus dem Bachelor- und Masterstudium Psychologie für die anschließende Ausbildung angerechnet werden. Klar ist, im Master muss der Schwerpunkt auf der Klinischen Psychologie liegen, aber gilt das auch für den Bachelor?

Während der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten haben die Absolventen keinen Anspruch auf Vergütung. Zwar arbeiten sie, aber sie haben noch keine Approbation. Somit liegt es im Ermessen der Ausbilder, wie hoch die Vergütung ist, wenn es sie überhaupt gibt. Zudem sind die Ausbildungskosten so hoch, dass viele angehende Psychotherapeuten wieder zu Hause einziehen oder Kredite aufnehmen, damit sie die Ausbildung irgendwie finanzieren können.

Die Approbation gibt es erst nach drei Jahren, in denen es finanziell definitiv nicht leicht war.

Wie der aktuelle Ausbildungsweg für angehende Psychotherapeuten aussieht, kannst du in unseren Artikel Psychologische Psychotherapie nachlesen.

Welche Veränderungen gibt es?

Junge Ärztin hält Vortrag vor StudentenDer neue Ausbildungsweg für angehende Psychotherapeuten besteht nicht mehr wie bisher aus fünf Jahren Psychologie Studium und einer anschließenden dreijährigen Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten, sondern wird ein eigenständiges Psychotherapie Studium, das fünf Jahre dauern soll: drei Jahre Bachelorstudium und zwei Jahre Masterstudium. Inhaltlich soll sich das Studium von dem klassischen Psychologie Studium abgrenzen und gezielt auf die Psychotherapie zugeschnitten werden.

Das Psychotherapie Studium schließt mit einer staatlichen psychotherapeutischen Prüfung ab, bei deren Bestehen die Absolventen die Approbation erhalten und somit die Berechtigung, den Beruf des Psychotherapeuten auszuüben. Nach der bestandenen Abschlussprüfung sollen die frischgebackenen Psychotherapeuten in eine Art Weiterbildung gehen, durch die sie später die Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können. Die Weiterbildung soll in stationären und ambulanten Einrichtungen stattfinden, außerdem soll es während dieser Zeit ein Mindestgehalt von 1.000 Euro geben, da die Approbation bereits vorliegt. Vergleichbar ist das mit der Situation von Assistenzärzten.

Allerdings wird die Gestaltung der Weiterbildung bezüglich Dauer, Inhalte und Ausbildungsstellen den Bundesländern bzw. den Psychotherapeutenkammern obliegen, hier liegt also auch noch einiges an Arbeit an.

Erst nach der Weiterbildung können sich die Absolventen ins Arztregister eintragen lassen und damit eine Zulassung für die Patientenversorgung erhalten.

Das Gesetz ist in der Mache

Wie das neue Psychotherapie Studium aussieht und was die Approbationsordnung im Detail vorsieht, muss noch festgelegt und verabschiedet werden, da es sowohl in der Politik als auch bei Ärzten und Therapeuten noch Diskussionsbedarf gibt. Es gibt zum Beispiel noch einige Streitpunkte, etwa die Verschreibung von Medikamenten. Ein Modellstudiengang sah vor, dass Psychotherapeuten nach dem Studium auch Medikamente verschreiben dürften.

Ein Gesetzesentwurf liegt bereits vor, auf diesen beziehen wir uns im Abschnitt Studieninhalte und Prüfung.

Studieninhalte und Prüfung

Der Gesetzesentwurf des Bundesgesundheitsministeriums sieht vor, dass das Psychotherapie Studium Wissen vermittelt

„entsprechend dem allgemein anerkannten Stand psychotherapiewissenschaftlicher, psychologischer, pädagogischer, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse die grundlegenden personalen, fachlich-methodischen, sozialen und umsetzungsorientierten Kompetenzen, die für eine eigenverantwortliche, selbständige und umfassende psychotherapeutische Versorgung von Patientinnen und Patienten aller Altersstufen und unter Berücksichtigung der Belange von Menschen mit Behinderungen mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren erforderlich sind.

Zugleich befähigt es die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, an der Weiterentwicklung von psychotherapeutischen Verfahren mitzuwirken sowie sich eigenverantwortlich und selbständig fort- und weiterzubilden und dabei auf der Basis von Kenntnissen über psychotherapeutische Versorgungssysteme auch Organisations- und Leitungskompetenzen zu entwickeln.“

(Gesetztesentwurf Abschnitt 2, §7)

Außerdem soll das Studium unter anderem dazu befähigen …

  • Störungen mit Krankheitswert festzustellen und zu behandeln oder Behandlungsmaßnahmen durch Dritte zu veranlassen
  • das eigene psychotherapeutische Handeln zu hinterfragen
  • mit anderen Berufsgruppen sowie patientenorientiert zu arbeiten
  • wissenschaftliche Arbeiten anzufertigen und in die psychotherapeutische Arbeit zu integrieren

Maßgebliche Bestandteile des Studiums zur Erlangung der Approbation sind die hochschulische Lehre und berufspraktische Einsätze:

Für die Hochschullehre im Bachelorstudium ist ein Arbeitsaufwand von 2460 Stunden, also 82 ECTS vorgesehen, plus 570 berufspraktische Einsätze, also 19 ECTS.

Für das Masterstudium sind 1620 Stunden (= 54 ECTS) Hochschullehre vorgesehen sowie 750 Stunden Aufwand für berufspraktische Einsätze (= 25 ECTS)

Prüfung

Laut Gesetzesentwurf besteht die Prüfung am Ende des Masterstudiums aus zwei Teilen: Es gibt eine mündlich-praktische Fallprüfung im Rahmen eines arbeitsplatzbasierten Assessments sowie eine anwendungsorientierte Parcoursprüfung in fünf Kompetenzbereichen.

Wer hat etwas von der Reform?

Tatsächlich werden erst diejenigen von der Reform profitieren, die dann 2020 auch wirklich die Ausbildung mit dem neuen Studiengang beginnen. Alle Psychotherapeuten, die noch kommen oder derzeit in der Ausbildung sind, müssen die Ausbildung nach der alten Regelung abschließen. Allerdings gilt auch der neue Mindestlohn von 1.000 Euro für die PiAs. Gesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, dass es eine Übergangsphase von zwölf Jahren mit "vernünftigen Übergangsregelungen" gibt.

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